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Man sagt die spannendsten Geschichten schreibt das Leben. Vielleicht ist da ja etwas wahres dran, aber  nicht in meinem. In meinem Leben ging es eher – sagen wir mal uninteressant zu. Ich führte ein ganz  normales Dasein, ohne besondere Höhe- oder Tiefpunkte. Ich stand früh auf, ging in die Schule, lernte und  machte Hausaufgaben, traf mich mit Freunden, ging Mittwochs in den Fußballverein, schaute um 20:15  irgendwelche Filme im Fernseher und ging schlafen. Ich sag' doch, da ist nichts auch nur annähernd  Spannendes dabei. Doch dann kam der erste Juli. Noch einen Monat, bis zu den Sommerferien, und plötzlich ist alles anders. Der erste Juli ist ein Mittwoch, ich will wie immer zu meinem wöchentlichen Fußballtraining gehen. Ich schländere also gerade fußballkickend durch die Gassen, als ich von Tobias in eine Seitenstraße gezogen werde. Normalerweise hätte ich mich in so einer Situation bestimmt so etwas gefragt wie: Wieso will der Mädchenschwarm der Schule mit mir reden, obwohl ich sein größter Konkurrent bin?, Wieso ist er nicht auf dem Weg zum Fußballtraining? oder Wieso verdammt nochmal kann er mir das, was er mir sagen will nicht auf offener Straße sagen?, aber alles geht so schnell, dass ich nicht dazu komme. Mir bleibt keine Zeit zum Denken, wobei ich eigentlich selten Denke, ich muss es ja nie tun, bei meinem langweiligen Leben. Vielleicht ist das jetzt der Moment in dem ich hätte weg rennen sollte, oder der Moment in dem ich etwas  hätte sagen sollen, doch das alles tu ich nicht. Ich bleibe einfach ganz ruhig stehen. Tobias macht auch nicht  wirklich etwas, er berührt nur kurz mein Handgelenk, dann meine Stirn und schon ist er wieder weg. Wie vom  Erdboden verschluckt. Ich denke nur kurz darüber nach, wie seltsam das doch alles wirkt, dann laufe ich  weiter in Richtung Fußballplatz.  Ich kann in dieser Nacht nicht schlafen. Keine Ahnung wieso, aber ich werde einfach nicht müde. Ich wälze  mich sieben Stunden in meinem Bett hin und her. Leider bin ich nicht der Typ, der liest und auf meinem  Handy sind auch keine guten Filme mehr, die ich noch nicht gesehen hab, sodass ich mich wirklich langweile.  Außerdem brennen meine Stirn und mein Handgelenk, als hätte mich dort jemand mit Brennnesseln  eingerieben. Vielleicht hätte ich den Vorfall mit Tobias damit in Verbindung bringen sollen, aber wie gesagt ich  denke relativ wenig. Es ist sechs Uhr, als mein Wecker mich aus der Hölle erlöst und ich endlich aufstehen kann. Ich merke, dass ich gar nicht müde bin, im Gegenteil, ich fühle mich so ausgeruht wie schon sehr lange nicht mehr. Das kommt dann sogar mir irgendwie seltsam vor. Allerdings mach' ich auch hier das, was ich am besten kann: ich denke nicht weiter darüber nach. 
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