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Es ist 23:59 als ich mein Zimmer wieder betrete, gerade noch rechtzeitig. Ich schnappe mir das  Sandsäckchen, Liste, Kugelschreiber und wünsche mich zum ersten Namen. Wieder erscheint der Nebel, der  mich wie eine Decke einzuhüllen scheint.  Das Mädchen vor dem ich stehe – Lucinda Rell – ist schätzungsweise gerade mal fünf Jahre alt. Was man in  diesem Alter wohl für Albträume hat? Sollte man einem so niedlich aussehenden, kleinen, schlafenden  Mädchen überhaupt etwas böses tun, indem man ihm Albtraumsand in die Augen streut? Ich bin eigentlich  der Meinung, dass das bestimmt gegen irgendwelche moralischen Grundsätze verstößt, aber bleibt mir etwas  anderes übrig? Wird das jemand merken, wenn ich den Sand wo anders reinschütte? Vielleicht. Vielleicht  auch nicht. Ein Versuch wäre es wert. Ich nehme also eine gute Brise des Sands und träufle es wie Futter in  ein riesiges Aquarium, dass vor dem Fenster steht. Die Fische denken anscheinend, dass es sich um ganz  normales Futter handelt und schwimmen alle gleich nach oben um sich ihren Fischbauch voll zu schlagen.  Ich schaue ihnen eine Weile dabei zu, bis der erste Fisch plötzlich in Richtung Wasserobefläche zu schweben  scheint, dann der nächste, noch einer und noch alle anderen in dem Aquarium. Scheiße, ich hab die Viecher  gekillt. Was mach ich denn jetzt? Scheiße, scheiße, scheiße! Wenn das Mädchen morgen aufwacht, wird es  spätestens dann ihren Albtraum erleben. Fuck. Ich bin so dumm. Eigentlich hätte ich es mir ja denken  können. Wenn die Pflanze eingeht, dann ist das Zeug sicher auch nicht für Fische gesund. Ich schaue  abwechselnd von dem Mädchen zu dem Aquarium und wieder zurück. So eine verdammte scheiße!   Aber ändern kann ich jetzt eh nix mehr. Also kann ich mich eigentlich auch gleich aus dem Staub machen,  bevor jemand was merkt. Also wünsche ich mich in das Zimmer der nächsten Person, diesmal ist es ein alter  Mann. Am nächsten Tag treffe ich mich wieder mit Jasmina in der Stadt. Sie will shoppen gehen. Für einen Jungen  ist das eigentlich Höchststrafe, aber was tut man nicht alles für das Mädchen seiner Träume? Vielleicht ist  das mit dem Liebesroman lesen, doch nicht so abwegig. Für einen kurzen Moment habe ich sogar darüber  nachgedacht die Schullektüre von damals zu lesen, die auf Jasminas Nachtkästchen gesehen habe.  Wir sind gerade beim Mittagessen, als ein kleines Mädchen mit langen blonden Haaren auftaucht. Ich schaue  sie kurz an, doch dann beachte ich sie nicht weiter. Genüsslich beiße ich in mein Sandwich, als jemand an  meine Schulter tippt. Ich drehe mich um.  
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