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Ich gehe in die Küche, es ist noch alles dunkel. Meine Eltern sind für zwei Wochen nach Amerika geflogen,  um dort meine Tante, ihren Mann und meine Cousine zu besuchen. Ich wollte nicht mit, sonst hätten wir den  Besuch auf die Ferien verschoben. Ich hole ein Brot, streiche meterdick irgendeine Schokocreme drauf, mach  mir einen Kaffee und gehe wieder nach oben ins Bad. Ich dusche, ziehe mich an und will mir die Haare  kämmen.  Es ist das erste Mal, dass ich an diesem Tag in den Spiegel schaue – und, das kann ja nicht wahr sein. Auf  meiner Stirn steht in schwarzen, großen Buchstaben das Wort Albtraum geschrieben. Ich blicke auf meinen  Arm. Auch hier steht Albtraum. Die Haut um die Schrift herum ist rot und entzündet. Die schwarze Schrift, sie  sieht aus als wäre sie mit Filzstift drauf gemalt. Aber ich kann mich nicht daran erinnern mir die Worte dahin  gepinselt zu haben und es hätte ja auch niemand Anderes die Möglichkeit dazu gehabt, oder?! Es gibt noch  eine zweite Möglichkeit, nämlich, dass die Schrift in die Haut tätowiert wurde, aber das ist noch  unwahrscheinlicher, weil das hätte ich zu hundert Prozent mitbekommen müssen.  Ich suche einen der Waschlappen im Regal, normal verwende ich sie nicht, da sie meiner Mutter gehören,  aber jetzt nehme ich einen. Ich lasse Wasser über ihn laufen, reibe mit der Seife darauf herum und fange an  mit dem nassen Stück Stoff meine Stirn zu bearbeiten.  Ich reibe solange an der Schrift herum, bis die Haut fast blutet. Dann höre ich auf – die Schrift ist nicht mal ein  kleines bisschen verblasst. Seltsam.  Wie mag sich die Schrift wohl anfühlen? Ich streiche kurz mit Mittel- und Zeigefinger darüber. Es wird kurz  heiß, dann verschwindet sie. Krass. Ist das ein schlechter Scherz? Ein Traum? Kann ich irgendwie  aufwachen? Ich streiche nochmal mit den selben beiden Fingern über die Stirn und die Schrift erscheint wieder. Dasselbe  passiert wenn ich über den Arm streiche.  Ich zwicke mich selbst ins Knie – nichts passiert. Ich zwicke mich in den Arm – nichts passiert. Ich zwicke  mich in die Wange – nichts passiert. Wann wache ich bloß endlich wieder auf?! So sehr ich es auch versuche, es passiert nichts. Also jedenfalls nicht das, was ich gehofft habe, das passiert.  Dafür füllt sich der Raum plötzlich mit schwarz-blauen Nebelschwaden. Ganz langsam füllen sie den Raum,  sie scheinen ihn  zu durch schweben, ihn einzunehmen. Sie züngeln an meinen Körper hinauf, scheinen mich  einzudecken. Ohne Vorwarnung tritt eine Gestalt aus dem Nebel hervor. Sie kommt direkt auf mich zu. 
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