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Im Nachhinein kann ich sagen, dass das der zweite Moment ist, in dem ich hätte weg rennen sollen. Doch ich  bleibe ganz still stehen. Irgendwie denke ich in diesem Moment noch nicht einmal daran wegzurennen.  Vielleicht, weil es das erste Mal ist, dass etwas wirklich spannendes in meinem Leben passiert.  Die Gestalt kommt immer näher, es sieht fast so aus, als würde sie schweben. Langsam, kann ich die  Gesichtszüge wahrnehmen. Warte, diesen Typen kenne ich doch?! Der Typ, der da durch den Nebel, auf  mich zu schreitet ist Tobias. Der Kerl, der mich am Tag zuvor in der Gasse abgefangen hatte. Tobias Mund öffnet sich, er beginnt zu sprechen, doch seine Stimme hört sich seltsam an, so als wären wir in  einem großen leeren Raum und er würde in ein Mikrofon sprechen. „Julian Beil“, Pause. Erwartet er eine  Antwort? „Ja?“, mir fällt auf, dass meine Stimme sich belegt anhört. „Du wurdest auserwählt von nun an als  einer von und zu leben“, Pause, „Dies ist eine der größten Ehren, die einem Menschen je zu Teil werden  können“, Pause, „von nun an, Julian Beil, wirst du als Albtraumbringer leben“ Ich weiß, dass es vielleicht unpassend ist, aber ich kann einfach nicht anders. Mit einem Mal fange ich das  Lachen an und kann gar nicht mehr auf hören damit. Tobias verzieht keine Miene, „du glaubst, dass ganze sei  ein Scherz, nicht wahr?“ Ist es das denn nicht?! Das kann ja wohl unmöglich sein Ernst sein.  Albtraumbringer? So etwas gibt es vielleicht in schlechten Filmen, aber doch niemals im wahren Leben. Doch  Tobias verzieht immer noch keine Miene. Kann er es wirklich ernst meinen? „Was bitte ist ein  Albtraumbringer?“, meine Stimme fängt langsam das zittern an. „Es gibt für alles auf der Welt ein Gegenteil,  für alles Gute, gibt es im Gegensatz dazu, etwas schlechtes, damit das Gleichgewicht nicht zerstört wird. So  gibt es im Gegensatz zum Traumbringer, den Albtraumbringer, der auch kurz Alb genannt wird. Von diesem  Augenblick an, wirst du keinen Schlaf mehr brauchen, da du die Nächte damit verbringen wirst, Menschen  den Albtraumsand in die Augen zu streuen“ Oh nein, ich bin zum Sandmännchen geworden. „Damit, dir dies  leichter fällt, kannst du von nun an, an einem Ort verschwinden und auf der Stelle, an einem anderen Ort  wieder auftauchen. Und jetzt nehme den Sand der Albträume“, er wirft mir ein schwarzes Säckchen zu, das  durch ein dunkel blaues Band verschlossen ist. Das Säckchen ist ungewöhnlich schwer. „Wenn du Fragen  hast, dann rufe mich“, mit diesem Satz verschwindet Tobias genauso schnell, wie er aufgetaucht ist. In diesem Moment fällt mir auf, dass ich immer noch im Badezimmer bin. Ich schüttle meinen Kopf, so als  könnte ich dadurch alles vergessen, was an diesem Morgen und am Tag zuvor geschehen ist.
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