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Vieles spricht dafür, das alles doch nur eine Illusion oder ein Tagtraum war. Wenn alles wirklich gewesen  wäre, dann hätte ich Schwierigkeiten haben müssen meinen Bus noch zu erreichen. Ich meine, normal schaff  ich es immer sehr knapp noch, und heute wurde ich sogar noch aufgehalten und komm eher überpünktlich.  Seltsam.   An der Haltestelle treffe ich einen Kumpel – Finn. Finn sieht sehr blass aus. Ich schlag seine Hand zur  Begrüßung ab, doch er wirkt nicht wirklich glücklich. „Was geht Finn?“, „Nix geht, hab die ganze Nacht nicht  geschlafen“, Ich denke nicht nach und antworte, dass ich auch kein Auge zu getan hab. Finn macht den Mund  auf, wieder zu, wieder auf, „Ah ja, deshalb siehst du auch so müde aus – verarsch mich nicht“, Finn dreht sich  weg, er war schon immer ein Morgenmuffel, aber von ihm werde ich mir sicherlich meine gute Laune nicht  verderben lassen. Ich drehe mich weg. Ich sehe im Augenwinkel, wie Finn sich seine Kopfhörer in die Ohren  steckt. Also mach ich das auch.  Der Bus kommt, ich suche mit den Augen nach Tobias, der eigentlich immer im gleichen wie ich fährt. Im  ersten Moment sehe ich ihn nicht, doch dann finde ich ihn. Er sitzt neben irgendeinem Mädchen, das ich noch  nie zuvor gesehen hab. Vielleicht ist sie mir auch einfach nicht aufgefallen. Ich höre Finn rufen, dass er  zwischen den ganzen kleinen Kindern noch einen Platz gefunden hat, doch ich ignoriere es. Schnurstracks  gehe ich auf Tobias zu, schmeiße das Mädchen neben ihm von ihrem Platz, sie beschwert sich kurz, doch  auch das ist mir egal, dann setzte ich mich neben Tobias. „Was soll der Scheiß?“, schreit er mich an, ich gehe  nicht darauf ein, „Was sollte das?“, keife ich ihn an. Tobias lacht kurz, „ich weiß nicht was du meinst“ Natürlich weiß er was ich meine. Er will es bloß nicht zugeben. Ich versuche es nochmal, „Was war das mit dem  Albtraumbringer?“ Tobias' Grinsen wird breiter, „hast du getrunken, Julian?“ Es hat keinen Sinn noch mit ihm  zu diskutieren, ich stehe wieder auf und wanke durch den fahrenden Bus zu Finn. „Was wolltest du von  dem?“ ich zucke mit den Schultern, „nichts“. Ich finde mich damit ab, dass ich wohl mit offenen Augen geträumt hab. Auch versuche ich nicht mehr die  Schrift wieder erscheinen zu lassen, einfach weil es eh nicht klappen wird. Oder weil ich zu viel Angst habe,  dass es doch klappen könnte. Also verbringe ich diesen Tag wie jeden anderen Donnerstag auch. Ich komme heim, mache Hausaufgaben,  lerne, schaue dumm in der Gegend herum, schaue abends einen Film an. Dann gehe ich ins Bett. Wieder  wälze ich mich nur von links nach rechts und von rechts nach links. Mein Gott, was ist bloß los mit mir?! Was  hat Tobias heute früh gesagt? Ich soll nach ihm rufen, wenn ich ihn brauche?
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