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Es ist drei Uhr, bis ich alle zehn Namen auf der Liste gestrichen habe und trotzdem bin ich nicht müde.  Anscheinend stimmt es auch, dass ich nicht mehr schlafen muss. Was macht man dann die ganze Nacht?  Meine Eltern sind ja nicht da, also setzte ich mich mit meinem Laptop vor den Fernseher. Ich fange an durch  die Programme zu zappen. Auf fast allen Privaten kommt Werbung – wie immer, doch dann finde ich einen  Sender auf dem noch ein Film läuft. Eine 20:15 Uhr Wiederholung. Ich kenne den Film, deshalb entscheide  ich mich dazu nebenbei ein bisschen zu surfen. Wie immer, wenn ich am Laptop bin, logge ich mich zuerst  auf einem sozialen Netzwerk ein.  Leider habe ich keine neuen Nachrichten. Dafür komme ich auf die Idee nach Jasmina zu suchen. Tatsächlich  finde ich ein Profil. Ein rothaariges Mädchen mit noch mehr Sommersprossen, als ich heute Nacht gesehen  habe, lächelt mich an. Sie sitzt auf einer Schaukel. Irgendwie kommt mir das alles so bekannt vor. Ich tippe  auf Informationen. Mist sie hat diese Seite nur für Freunde frei gegeben. Dafür kann ich mir ihre Freunde  anschauen. Finn ist dabei. Plötzlich weiß ich woher ich sie kenne. Das Mädchen ist Finns Cousine! Ich weiß,  dass sie in der gleichen Stadt, in der auch ich wohne lebt. Vor zwei Jahren habe ich sie auf Finns fünfzehnten  Geburtstag getroffen. Damals, war sie aber erst vierzehn oder so. Ob sie sich noch an mich erinnern kann?  Ich könnte sie ja adden, aber wenn sie ablehnt? Ich schlage alle meinen Gedanken aus dem Kopf. Hoppla  das fällt mir ja erst jetzt auf: ich denke.   Ich vergesse alles und drücke auf den Knopf zum adden. Mal schauen wie sie reagieren wird.   Plötzlich macht es plop und ein Chat geht auf. Doch ich schaue nicht nach, wer mir um halb vier Nachts  etwas zu sagen hat und logge mich aus, klappe das Laptop zu und widme mich wieder dem Fernseher.  Freitag. Kurz bevor ich zur Schule will, klingelt das Telefon. Ich seufze, bestimmt ist es wieder meine Mama,  die wissen will, was los ist. Ich seufze noch einmal, bevor ich den Hörer abnehme, „Hallo?“ Tatsächlich ist es  meine Mutter, „Julian?“, ihre Stimme klingt nervös, „Julian? Bist du es?“ Ich kann mir eine sarkastische  Antwort nicht verkneifen, „nein, der Weihnachtsmann. Natürlich bin ich's Mama, wer soll es sonst sein, bitte?“  Am anderen Ende bleibt es still, „wollte nur hören wie es dir geht und ob du auch ordentlich zur Schule gehst.  Bei dir kann man ja nie wissen, wenn man dich alleine lässt“ Bitte? Was soll das denn jetzt? „Mama, mir  geht’s gut, aber ich muss jetzt wirklich zum Bus, sonst geh ich heute nicht mehr in die Schule“ Mama seufzt,  „Okay, Julian, schöne Grüße auch von Papa. Ich hab dich lieb Juli“ Muss sie das immer noch sagen? Ich bin  siebzehn, keine drei, „Tschüss Mama“, dann lege ich auf.
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