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 Wenn man tot ist, kann man sich dann noch zu Tode langweilen? Schwere Frage. Oder kann man sich noch  Totlachen? All das geht mir durch den Kopf, als ich da sitze in dem Büro von Arthur, der Oberzombie, der  Zombieszene von unserem Ort oder vielmehr der Stadt wo ich herkomme. Doch selbst das beschäftigt mich  nicht lange, irgendwann fange ich an die Wassertropfen zu zählen, die durch die Decke in die Gruft tropfen.  Ich bin bei genau 247 853 357 876 Tropfen angelangt, als Arthur seinen Mund doch mal aufbringt. „Also“,  Stille. Was also? „Jaaa, also mir fällt auch nichts ein. Du wolltest kein Zombie werden, hast jeden Tag  gebetet“, er fängt an sich seinen Bart zu flechten, wie lange er dafür wohl braucht? Der geht nämlich bis aus  dem Zimmer raus, „und du meinst deine Gebete ernst. Tut mir Leid, aber ich weiß es wirklich nicht“  In diesem  Moment geht die Tür wieder auf und ein anderer, wesentlich jüngerer Typ kommt herein. Er kaut Kaugummi,  wirkt gelangweilt und hörte ziemlich laut MP3. So laut, dass ich alles mitbekomme, das Lied besteht aus  genau einem Wort. „Fuuuuuuuck“ und das die ganze Zeit. Na toll, jetzt komme ich doch in die Hölle, wenn der  Irrtum mit dem Nachleben geklärt ist. Der Junge ist groß, leicht schlaksig, hat tief schwarze Haare und wirkt  auch so recht emohaft. Als er wieder gehen will, schreit Arthur ein lautes, „HALT!“ Wenn ich ganz ehrlich bin,  dann habe ich nicht gedacht, dass er reagiert, so laut wie die ganze Zeit jemand „Fuuuuuuuuck“ in seine  Ohren schreit. Doch er zieht sich gelangweilt einen Stöpsel aus einem Ohr und dreht sich wieder zu uns um.  „Was ist denn jetzt schon wieder?“, auch seine Stimme ist gelangweilt. „Das hier ist Kevin“, er deutet auf  mich, „du wirst dich um ihn kümmern“ Na klasse. Dieser gelangweilt aussehende, Metal hörende Typ war  mein Aufpasser? Jetzt ist alles verloren.   Inzwischen hat mir der Emo-Typ gesagt, wie er hieß, Raphael, passte irgendwie nicht, aber okay, Namen  sucht man sich ja leider nicht aus. Ist ja aber auch egal. Raphael hatte mich in unser Zimmer geführt. Er hatte  gemeint, dass ich auf der Couch schlafen müsse, weil er in dem einen Bett selber schlief und das andere  nicht frei räumen wollte. Bis zu diesem Moment hatte ich noch nicht mal gemerkt, dass es überhaupt ein  zweites Bett in dem Raum gibt, aber er deutet auf einen ziemlich riesigen Haufen Müll, Klamotten, Schulhefte  und so weiter. Aha. Vielleicht sollte Raphael mal wieder aufräumen? Nur so als Vorschlag. Doch ich spreche  es nicht laut aus, wobei ich es ruhig hätte tun können, weil diesmal wurde die Stille zwar nicht durch ein  lautes „fuck“ durchbrochen, dafür aber von einem „motherfucker“. Oh Gott. Was muss ich den jetzt tun, damit  mir das verziehen wird und ich doch noch in den Himmel kann?! Beichten? Doch darf man als toter noch in  Kirchen? Zehnmal Rosenkranz beten? Oder einfach ignorieren und so tun als ob nichts gewesen wäre? Aber  das wäre dann ja Lügen. Und Lügen ist eine Sünde. Falls ihr es genau wissen wollt, es ist das achte Gebot.  Könnt ihr gerne nachschauen.
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