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 Also was kann ich tun? Ich entscheide mich jetzt für ein selbsterfundenes Gebet, also leg ich mal los. Doch  ich komme nicht dazu, denn Raphael steht plötzlich vor mir, „zieh dir was anderes an, wir gehen weg“ Ich  schau ihn ungläubig an, „Ich gehe nicht weg! Ich war noch nie in meinem ganzen Leben weg!“ Jetzt schaut er  mich dumm an, „Noch nie? In deinem ganzen Leben? Na dann ist es doch höchste Zeit! Und außerdem, du  lebst nicht mehr, falls du es immer noch nicht begriffen hast“ Ach ja stimmt ja. Hatte ich schon fast vergessen.  Was für ein Idiot. Und jetzt das auch noch Kraftausdrücke. Was ist aus mir geworden, ich sollte zur  Beruhigung, wieder Physikformeln auswendig lernen. Doch Raphael kommt mir zuvor, er nimmt sämtliche  Bücher, die auch nur in irgendeiner Form Lehrreich sind aus dem Regal, schmeißt sie in eine Art Safe und  steckt den Schlüssel ein. Was für ein Sadist. „Ach wenn du dich nicht umziehen willst, dann nehme ich dich  auch so mit wie du gerade aussiehst. In deinem Streber Look“, Raphael rümpft die Nase. Es ist offensichtlich,  dass er eine starke Abneigung gegen mich hat. Doch wieso will er dann unbedingt mit mir weg gehen? Mir  bleibt nicht viel Zeit darüber nachzudenken, denn dieser Sadist hat mich ohne ein Wort irgendwie aus der  Gruft auf den Friedhof gebeamt, mitten auf das Grab eines Theobald Gurkenbauer. Also der hätte sich glaube  ich auch lieber einen anderen Namen ausgesucht, wenn er die Wahl gehabt hätte. Ziemlich mies, was das  Schicksal manchmal für einen bereit hält. „Was war das denn jetzt?“ Raphael sieht mich komisch an, „ich hab  uns hier her transportiert“, in seiner Stimme schwingt so viel Verachtung mit, dass ich mich nicht traue weiter  nachzufragen. Wir gehen den Friedhof entlang. Niemand sagt auch nur einen Piep. Ungewohnt so viel Stille  nachts, aber Heute ist ja nichts, so wie es Gestern war. Da bekommt der Satz, neuer Tag, neues Glück, eine  ganz neue Bedeutung. Also ehrlich gesagt finde ich das doch ganz schön makaber, wie wir da so bei  Vollmond, nachts, über den Friedhof spazieren und das so als ob es das normalste auf der ganzen Welt  wäre. Doch dann kommen wir zum Tor. Das ist verschlossen „Und jetzt?“, die ersten Worte von mir, seitdem  wir auf dem Grab dieses Theobald Tomatenbauer oder wie der auch immer hieß gelandet sind. „Da müssen  wir halt auf die andere Seite“ Na okay, da gibt es dann wohl nur einen Weg. Drüber klettern. Wirklich keine  leichte Aufgabe, wenn Sport das einzige Fach ist in dem man keine eins im Zeugnis hat. Doch irgendwie  gelingt es mir doch. Mehr oder weniger. Okay, okay, okay ich gebe zu ich falle mehr über das Tor, als das ich  drüber klettere. Aber Überraschung, Überraschung, Raphael steht schon auf der anderen Seite und schaut  mich grinsend an. „Was geht mir dir ab? Wieso bist du schon da, obwohl ich vor dir drüber geklettert bin?“ Er  legt mir einen Arm auf die Schulter, schaut mich grinsend an und meint, „Ich hab gesagt, wir müssen auf die  andere Seite, aber wie du das anstellst, bleibt dir überlassen. Wenn du gerne kletterst ist das okay für mich,  ich persönlich bevorzuge aber eher das beamen, dabei kann man sich dann doch nicht ganz so schnell  verletzten“ Hatte ich erwähnt, dass der Typ ein Sadist ist?
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