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Raphael geht ziemlich schnell, eigentlich sollte man schon fast sagen, dass er rennt. Sagen wir es so, ich  komme außer Atem wenn ich mit ihm Schritt halten will. Also hechel' ich, „wo gehen wir jetzt eigentlich hin“  -  keine Antwort. Na, dann geh ich ihm halt einfach mal nach. Tap, tap, tap. Die Schritte wirken laut in der Stillen  Nacht. „Hey“, plötzlich bleibt Raphael stehen, „pass' ja auf, dass dich niemand sieht, den du kennst. Sonst  heißt es wieder 'oh er ist von den Toten auferstanden. Ein Wunder'. Sag' mal was ich mich schon die ganze  Zeit frag, wie bist du eigentlich gestorben? Vom Deutschbuch erschlagen?“, mein Begleiter muss jetzt selber  lachen. „Nein, eigentlich war es eher ein versehen. Wir haben in Chemie aus versehen eine falsche  Chemikalie verwendet und dann, naja dann hat's wusch gemacht und ich war hier. Eigentlich hätten die diese  Chemikalie gar nicht in der Schule haben dürfen“ Raphael legt einen Arm um meine Schultern, „Ich lag mit  Deutschbuch ja gar nicht so schlecht, Streber“, er haut mir leicht auf den Hinterkopf. „Wie kommst du  eigentlich auf Deutschbuch. Ich meine mein Lieblingsfach ist Physik“  „Ja ja, aber Physikbücher sind so dünn, das man nicht stirbt, wenn man das mal über die Rübe gezogen  bekommt. Deutschbücher dagegen. Puh“, er schüttelt sich, offenbar findet Raphael die Erinnerung an  Schulzeiten nicht ganz so toll wie ich. Ohne zu bemerken, wie weit oder wohin wir laufen, bleiben wir plötzlich  vor einer Tür stehen. Leider wird die Hausfront von einem Dach verdeckt, so dass ich das Schild, dass  normalerweise anzeigt um was es sich bei dem Gebäude handelt verdeckt ist. Doch diesen Gedanken hätte  ich mir eigentlich auch wieder sparen können, weil sobald wir die Kneipe betreten wird mir klar, wo wir hier  sind. Wenn Raphael nicht schon tot wäre, dann würde ich ihn jetzt umbringen. Das kann er mir nicht antun.  Wirklich nicht. Das ist mies. Und gemein. Es ist eine Karaoke-Bar. „Ich hoffe du kannst singen“, er lacht. Ein  gehässiges Lachen. Sadist. Doch ich kann nichts sagen, weil er mich schon ins innere zeiht. „Du kannst dir ja  die ersten paar Leute mal anschauen, aber dann singst du“ Das ist keine Frage, sondern ein Befehl. Ich  würde am liebsten heulen. Aber ich bin ein Junge, die heulen nicht oder wenn dann eher selten. Ich schaue  also entgeistert auf die Bühne. In diesem Moment gehen mir wieder tausend Sachen durch den Kopf die  schief gehen könnten. Ich könnte beispielsweise über das Kabel stolpern und von der Bühne krachen, mir  das Genick brechen und nochmal sterben. Oder ich treffe einfach gar keinen Ton. Und wenn? Hier kennt mich ja niemand. Ich werde keinen von den Leuten hier wieder sehen, sobald das mit dem Himmel / Zombie  Versehen geklärt ist. Was hoffentlich bald der Fall ist, weil lange halte ich das hier nicht mehr aus.  Raphael  ist verschwunden. Doch dafür kommt jetzt eines der Mädchen auf mich zu, „Hallo“, hauchte sie, „Du bist das  erste Mal hier oder? Gibst du mir deine Handynummer?“ „Würde er ja gerne, aber mein Bruder“, Wo kommt  Raphael denn jetzt plötzlich her?, „mein Bruder hier, der hat schon eine Freundin“ Das Mädchen rümpfte de  Nase und zieht beleidigt wieder ab. 
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